Ses Cases Noves - Geschichte der Finca
Pedro, der auf der Finca aufgewachsen ist, erzählt über sein Elternhaus: Die Geschichte der Finca lässt sich mindestens bis zum 17. oder 18. Jahrhundert zurückverfolgen. Die älteste Karte, in der Ses Cases Noves erwähnt wird, stammt von 1711. Eine weitere von 1780 hängt im Speisesaal aus. "Las casas" , die Häuser, waren das Zentrum eines großen Besitztums, obwohl früher schon Ländereien abgeteilt wurden in kleinere Fincas bis nur noch ein paar Hektar Land übrig blieben. Im 20. Jahrhundert dann begann der damalige Besitzer die Fincas in der Nachbarschaft dazu zu kaufen bis fast die heutige Größe erreicht wurde. Vor einigen Jahren kauften meine Eltern noch 4000 qm dazu. Mein Großvater mütterlichenseits (Pedro Rossello Mascaró, bekannt unter dem Namen Es Ros, "der Blonde"), kaufte die Finca Mitte des 20. Jahrhunderts. Zu jener Zeit war der Preis für Land niedrig, für die Früchte des Landes aber hoch und nach 2 oder 3 Jahren guter Arbeit konnte man eine Finca erwirtschaften. Heutzutage reicht das, was man mit der Landwirtschaft verdienen kann, nicht einmal aus, um in 50 Jahren eine Finca zu bezahlen. Als meine Großeltern starben, ging die Finca auf meine Eltern über. Wie das oft mit den großen alten Besitztümern so ist, es gab keine Geldmittel für den Erhalt des Hauses. Deshalb gingen mein Bruder und ich das Wagnis ein, das Gut in einen Agrotourismusbetrieb umzuwandeln, um einerseits das elterliche Erbe zu erhalten und andererseits, um zu den weiterhin sinkenden Erträgen aus der Landwirtschaft etwas dazu zu verdienen. Und da sind wir nun.
Bild rechts: "Dies sind die Arbeiter, die den Brunnen bauen, mein Großvater (welcher Ses Cases Noves kaufte), in der Mitte sitzend, mit der dunklen Jacke."
Maisernte in den 1980-er Jahren, als Ses Cases Noves noch ein landwirtschaftlicher Betrieb war. Rechts lenkt Onofre den Traktor. Noch heute ist er stolz, einen der größten Traktoren auf Mallorca sein eigen zu nennen. Wenn die Kinder ihn fragen, dreht er gerne einen Trekker-Runde.
Toses (mallorquin) nennt man das Scheren der Schafe bzw. das Entfernen der Wolle von den Schafen. Traditionell versammeln sich alle Freunde und Nachbarn an einem Tag und scheren zusammen alle Schafe eines Hofes. Anderntags kommt ein anderer Nachbar dran. Diese Tradition gerät langsam in Vergessenheit, viele scheren heute ihre Schafe an mehreren Tagen allein. Links: Pause im Schafstall. Mitte und rechts: "Hier sieht man meinen Bruder Onofre bei der Schafschur, und dann alle zusammen nach der Schur beim Mittagessen, was nicht fehlen darf."
"Matances" nennt man die Schlachtung der schwarzen Schweine und das Herstellen der Wurst: Butifarró ist die Blutwurt, Sobrassada die Paprikawurst. Beides sind mallorquinische Spezialitäten.
Die Finca Ses Cases Noves bei Sant Llorenc im Osten Mallorcas ist einer der neueren Agrotourismus-Betriebe. Ab März 2004 wird der grundlegend restaurierte Gutshof an bis zu 20 Feriengäste und deren Kinder vermietet. In mehrjähriger Eigenarbeit wurde das alte Haus umgewandelt in eine Residenz für Urlauber mit gehobenem Anspruch. Das altehrwürdige Erscheinungsbild des Gebäudes lässt kaum vermuten, dass sich hinter den Kulissen der Finca High-Tech pur verbirgt, u.a. mit Breitband-Internetanschluss in jedem Apartment. Früher und heute: Diese beiden Bilder zeigen den Bogen aus Mares-Stein in der großen Halle von Ses Cases Noves.
Laut Pedro ist es im Agrotourismus üblich, für die Ferien - Appartements die Namen zu verwenden, die den jeweiligen Bereichen der Finca entsprechend der früheren Nutzung gegeben wurden, vor der Umwandlung zum Tourismusbetrieb. So liegen die Appartements mit den Namen "Sótil", "Graner", "Sostre", "Pis" immer im Obergeschoss, denn hier befanden sich die Vorratslager für Heu, Getreide, Sämereien sowie die Wohnung der Gutsbesitzer. Die Appartements "Vaquera", "Soll" "Sestador", oder "Boal" liegen immer im Erdgeschoss, es sind die Namen der ehemaligen Ställe der Kühe und Schweine, des Pferches für die Schafe oder des Unterstandes der Maultiere. An Stelle der Appartements "Forn" und "Formatgera" befanden sich früher der Backofen (horno) oder die Käserei. Früher und heute: Diese beiden Bilder zeigen die Finca von Südosten, die Appartements Forn und Pis. Links sieht man noch den Rundbogen, hier befand sich der Backofen der Finca. Daher hat das App. Forn seinen Namen: "Backofen".
Auf den Balearen gibt es inzwischen weit über 100 Betriebe, die als "Agrotourismus-Finca" oder "Hotel Rural" Gäste empfangen. 1990 wurde von einigen Finca-Besitzern die "Associació Agroturisme Balear" (Vereinigung zur Förderung des Tourismus auf dem Land) gegründet. Auch die Balearen-Regierung fördert den Erhalt ehrwürdiger alter Häuser und den Ausbau für den Fremdenverkehr in Form von Zuschüssen, insbesondere für den Wiederaufbau unverfugter Mauern und Solaranlagen. Früher und heute: Die Treppen auf Mallorca hatten traditionell keine Geländer. Hier hat das Denkmalamt ein Zugeständniss zur Sicherheit der Urlaubsgäste gemacht. Die Treppe führt zum Appartement Sostre (mallorquin: Heuschober, Tenne): Hier oben wurde das Heu gelagert. Der Eingang liegt direkt über dem Eingang von "Sa Boal" (darunter, die Rundbogentür), was die Fütterung der Maultiere vereinfachte. Außerdem gab es üblicherweise ein Loch im Boden direkt über "sa manjadora", dem Heu-Trog für die Fütterung der Maultiere. Man zog das Heu durch besagtes Loch im Boden von "Es Sostre", so dass es direkt in den Trog fiel. In "Es Sostre" schliefen üblicherweise auch die Arbeiter, die man zur Landarbeit auf der Finca verpflichtet hatte, sie schliefen auf dem Heu. Die hölzerne Tür ohne Schloss hatte zwei Löcher seitlich in den Zargen, so dass man diese durch einen Querbalken verschließen konnte, um zu verhindern, dass jemand hereinkam. Diese Löcher sind noch erhalten.
Früher und heute: Das ist der Spülstein der Finca und rechts daneben der Herd. Der Spülstein hat einen Ausfluss nach draußen, den man heute noch erkennen kann. Gegenüber des Herdes wurde Feuer gemacht, unter der großen Esse und dem Wasserbehälter. Glühende Scheite wurden in die quadratischen Öffnungen im Herd gelegt, damit wurde gekocht. Heute wird im Spülstein und auf dem ehemaligen Herd das Frühstück aufgebaut.
Dieses Bild zeigt die Finca im Jahre 2004, im ersten Jahr als Ferien-Finca. Für eine Agrotourismus-Lizenz benötigt man mindestens 25.000 qm Land und ein Gebäude, das vor 1960 gebaut worden ist. Das Haus darf nur renoviert werden, es dürfen keine Neubauten dort errichtet werden. Vermietet wird an höchstens 24 Personen und die Fincas müssen weiterhin landwirtschaftlich bewirtschaftet werden. In der Regel wird den Gästen das Obst und Gemüse aus dem Garten angeboten. Das Highlight des Urlaubes ist der mallorquinische Abend: Jedes Wochenende bereitet die Familie Soler ihren Gästen ein typisch mallorquinisches Abendessen. An diesem Abend sollen Sie nicht nur gut essen, sondern das echte Mallorca und die Mallorquiner kennen lernen.
Wir schreiben das Jahr 2004, die Restaurierungsarbeiten sind fast beendet. Die Pergola auf der Westseite der Finca, dort, wo jetzt das Abendessen serviert wird, ist schon montiert, aber noch kahl.
2. März 2004, der zweite Besuch von Andrea Randoll auf Ses Cases Noves. Die ersten Möbel werden geliefert, auf dem linken Bild fehlt noch die Küchenzeile. In der großen Halle sieht es noch recht kahl aus. Aber, der Tisch ist für uns und die Familie Soler schon gedeckt: Onofre und seine Frau Catalina sowie sein Bruder Pedro und dessen Frau María sowie die (Groß-)eltern verwöhnten uns mit mallorquinischen Spezialitäten: Zum Frühstück Café con leche, pa amb oli, selbstgemachte Sobrasada und Marmelade aus Engelshaar und nicht zuletzt eine Ensaimada. Als deftiges Mittagessen in der "Fotopause" bekamen wir Arroz brut und zum Nachtisch frisch geerntete Apfelsinen, so süße gibt es in Deutschland nicht. Abends genossen wir dann als Vorspeise Sopes mallorquines und danach ein Frito mallorquin, zum Nachtisch eine diesmal gefüllte Ensaimada und einen café solo. Danach bot man uns einen Hierbas an, den selbstgemachten Kräuterlikör. Als wir die Likörgläser ablehnten und uns den Herbas in die leeren Kaffeetassen einschenken ließen, strahlten alle um uns herum: Es ist Sitte, mit dem Hierbas die Kaffeetasse zu "putzen".
April 2004, die Eröffnungsfeier vor der Inbetriebnahme. Hier sitzen die Büder Pedro und Onofre Soler zusammen mit den Architekten und Baumeistern.
Und jetzt, Ende April 2004: Die ersten Gäste beim ersten Abendessen auf Ses Cases Noves. Sie waren zu zweit, die Familie Soler (María, Pedro, Onofre, Cati und Oma María) aßen mit ihnen. Miquel-Angel war 6 Monate alt und lag in der Tragetasche daneben. Das linke Bild zeigt das erste Frühstück für die Gäste.
Der erste Sommer ist da. Die Palmen, die heute hinter dem Pool wachsen, sind gerade eingepflanzt, man sieht sie noch nicht. Noch kann man über den Pool schauen und sieht das ganze Haus. Heute geht das nicht mehr, die Bäume und das Schilfgras sind zu hoch gewachsen.


